Bodenrichtwert – Was Immobilienkäufer in Freiburg wissen müssen
Der Bodenrichtwert ist eine wichtige Orientierungsgröße für Immobilienkäufer und -verkäufer. Wir erklären, was dahinter steckt und worauf Sie in Freiburg achten sollten.

Was ist der Bodenrichtwert?
Der Bodenrichtwert ist der durchschnittliche Lagewert eines Grundstücks pro Quadratmeter in einer bestimmten Zone oder Straße. Er wird von den Gutachterausschüssen der Kommunen regelmäßig ermittelt und dient als Orientierungshilfe für die Bewertung von unbebauten und bebauten Grundstücken.
In Baden-Württemberg sind die Gutachterausschüsse verpflichtet, die Bodenrichtwerte mindestens alle zwei Jahre zu aktualisieren. Die Werte basieren auf tatsächlich gezahlten Kaufpreisen für Grundstücke, die bei den Geschäftsstellen der Gutachterausschüsse gesammelt werden. Dabei werden vergleichbare Grundstücke in sogenannten Bodenrichtwertzonen zusammengefasst.
Wichtige Merkmale des Bodenrichtwerts
- Durchschnittswert: Der Bodenrichtwert repräsentiert einen Durchschnitt vergleichbarer Grundstücke
- Unbebauter Zustand: Der Wert bezieht sich in der Regel auf ein unbebautes Grundstück
- Entwicklungszustand: Er berücksichtigt den jeweiligen Entwicklungszustand (baureif, Rohbauland etc.)
- Keine Verbindlichkeit: Der Bodenrichtwert ist eine Orientierungshilfe, kein verbindlicher Kaufpreis
Wie wird der Bodenrichtwert ermittelt?

Die Gutachterausschüsse werten alle Grundstückskäufe in ihrem Zuständigkeitsbereich aus. Dabei werden Grundstücke mit ähnlichen Eigenschaften zu Bodenrichtwertzonen zusammengefasst. Maßgebliche Kriterien sind:
- Lage und Nachbarschaft
- Art der baulichen Nutzung (Wohngebiet, Gewerbegebiet etc.)
- Maß der baulichen Nutzung (Geschossflächenzahl, Grundflächenzahl)
- Erschließungszustand
- Grundstücksgröße und -zuschnitt
Für jede Zone wird dann aus den tatsächlichen Kaufpreisen ein durchschnittlicher Quadratmeterpreis errechnet. Dieser Wert gilt für ein fiktives Grundstück mit den in der Zone typischen Eigenschaften.
Bodenrichtwerte in Freiburg im Breisgau
In Freiburg variieren die Bodenrichtwerte erheblich zwischen den einzelnen Stadtteilen. Die Unterschiede spiegeln die unterschiedliche Attraktivität und Nachfrage der Lagen wider.
Große Spannbreite zwischen den Stadtteilen
Während zentral gelegene und beliebte Wohnviertel wie die Wiehre oder die Oberau deutlich höhere Bodenrichtwerte aufweisen, liegen die Werte in peripheren oder stärker gewerblich geprägten Gebieten niedriger. Auch neue Entwicklungsgebiete wie Dietenbach werden eigene Bodenrichtwertzonen erhalten, sobald erste Transaktionen ausgewertet werden können.
Die Stadt Freiburg und der zuständige Gutachterausschuss stellen die aktuellen Bodenrichtwerte öffentlich zur Verfügung. Interessierte können diese online über das Bodenrichtwertinformationssystem Baden-Württemberg (BORIS-BW) abrufen.
Praxisbeispiel: Bodenrichtwert beim Grundstückskauf
Ein Beispiel verdeutlicht die praktische Anwendung: Sie interessieren sich für ein 400 Quadratmeter großes Grundstück in einem Freiburger Wohngebiet. Der Bodenrichtwert für diese Zone beträgt 800 Euro pro Quadratmeter.
Eine erste Orientierung für den Grundstückswert wäre:
400 m² × 800 €/m² = 320.000 Euro
Dieser Wert ist jedoch nur ein Ausgangspunkt. Der tatsächliche Marktwert Ihres konkreten Grundstücks kann davon abweichen, wenn:
- Das Grundstück besonders günstig oder ungünstig geschnitten ist
- Die Hanglage vom Durchschnitt der Zone abweicht
- Besondere Belastungen (z. B. Leitungsrechte) vorliegen
- Die Erschließung noch nicht vollständig ist
- Das Grundstück deutlich größer oder kleiner als üblich ist
Wofür wird der Bodenrichtwert verwendet?
Bei Immobilientransaktionen
Der Bodenrichtwert dient als erste Orientierung für Käufer und Verkäufer. Er hilft dabei einzuschätzen, ob ein geforderter Kaufpreis im marktüblichen Rahmen liegt oder deutlich davon abweicht.
Bei Immobilienbewertungen
Sachverständige und Gutachter nutzen den Bodenrichtwert als Grundlage für Verkehrswertgutachten. Bei bebauten Grundstücken wird der Bodenwert vom Gesamtwert der Immobilie abgeleitet.
Für steuerliche Zwecke
Finanzämter greifen auf Bodenrichtwerte zurück, etwa bei der Ermittlung von Bemessungsgrundlagen für die Grundsteuer oder bei Erbschaft- und Schenkungsteuerfällen.
Bei Finanzierungen
Banken berücksichtigen Bodenrichtwerte bei der Beleihungswertermittlung im Rahmen von Immobilienfinanzierungen.
Worauf Sie beim Bodenrichtwert achten sollten
Aktualität prüfen
Achten Sie darauf, wie aktuell der Bodenrichtwert ist. In dynamischen Märkten wie Freiburg können sich die Werte zwischen den Erhebungszeitpunkten deutlich verändern. Ein zwei Jahre alter Bodenrichtwert bildet nicht unbedingt die aktuelle Marktsituation ab.
Individuelle Grundstücksmerkmale berücksichtigen
Der Bodenrichtwert gilt für ein Grundstück mit durchschnittlichen Eigenschaften. Ihr konkretes Grundstück kann bessere oder schlechtere Merkmale aufweisen. Ein Eckgrundstück in Südhanglage mit Schwarzwaldblick wird in der Regel deutlich über dem Bodenrichtwert gehandelt.
Entwicklungszustand beachten
Stellen Sie sicher, dass der Bodenrichtwert den gleichen Entwicklungszustand beschreibt wie Ihr Grundstück. Ein erschlossenes, baureifes Grundstück hat einen höheren Wert als Rohbauland.
Vergleichswerte hinzuziehen
Verlassen Sie sich nicht allein auf den Bodenrichtwert. Ziehen Sie tatsächliche Verkaufspreise vergleichbarer Grundstücke in der Nachbarschaft heran, um ein realistisches Bild des Marktes zu erhalten.
Professionelle Bewertung einholen
Bei größeren Investitionen oder komplexen Grundstücken empfiehlt sich die Beauftragung eines Sachverständigen oder erfahrenen Immobilienmaklers, der die lokalen Marktgegebenheiten kennt und alle wertbeeinflussenden Faktoren bewerten kann.
Bodenrichtwert und Kaufpreis: Der Unterschied
Ein häufiges Missverständnis besteht darin, den Bodenrichtwert mit dem zu zahlenden Kaufpreis gleichzusetzen. Der Bodenrichtwert ist jedoch nur eine statistische Orientierungsgröße, während der Kaufpreis durch Angebot und Nachfrage am konkreten Markt bestimmt wird.
In gefragten Lagen wie vielen Freiburger Stadtteilen liegen die tatsächlichen Transaktionspreise häufig über den Bodenrichtwerten, da die Nachfrage das Angebot übersteigt. Umgekehrt können in weniger nachgefragten Gebieten auch Preise unterhalb des Bodenrichtwerts erzielt werden.
Wo finden Sie die Bodenrichtwerte für Freiburg?

Die aktuellen Bodenrichtwerte für Freiburg und ganz Baden-Württemberg sind über das Online-Portal BORIS-BW kostenfrei abrufbar. Dort können Sie die Werte für konkrete Adressen oder Flurstücke einsehen.
Alternativ erteilt der Gutachterausschuss beim Vermessungs- und Liegenschaftsamt auf Anfrage Auskunft über Bodenrichtwerte. Für detaillierte Auskünfte oder besondere Fragestellungen können auch kostenpflichtige Bodenrichtwertauskünfte angefordert werden.
Fazit: Wichtige Orientierungsgröße mit Grenzen
Der Bodenrichtwert ist ein nützliches Instrument für eine erste Einschätzung von Grundstückswerten. Besonders beim Immobilienkauf in Freiburg, wo die Preise zwischen den Stadtteilen stark variieren, hilft er bei der groben Orientierung.
Allerdings ersetzt der Bodenrichtwert keine individuelle Bewertung des konkreten Grundstücks. Lage, Zuschnitt, Erschließung und viele weitere Faktoren beeinflussen den tatsächlichen Marktwert erheblich. Für fundierte Kauf- oder Verkaufsentscheidungen sollten Sie daher zusätzlich aktuelle Marktdaten und professionelle Beratung einbeziehen.
Sie planen einen Immobilienkauf oder -verkauf in Freiburg und möchten wissen, wie der Bodenrichtwert Ihre konkrete Immobilie beeinflusst? Das Team von MOSS Immobilien berät Sie gerne zu allen Fragen rund um Grundstückswerte und Immobilienpreise in Freiburg. Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Erstberatung.

